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Dörthe Hagenguth hat im September 2005 den MAZ-Studiengang Pressefotografie
abgeschlossen. Von Mitte Oktober bis Ende November arbeitet sie mit Hilfe des DEZA-Stage
als Fotoreporterin bei der Zeitung La Prensa in Managua. Anschliessend wird sie
als freischaffende Fotografin in Hamburg tätig sein.
Erste Schritte
Bin sehr nett aufgenommen bei der PRENSA und gleich voll integriert im Fototeam.
Am ersten Tag hatte ich gleich zwei Fototermine: Ein Interview mit dem Chef des
meteorologischen Institutes in Managua wegen "Wilma". Sind hier alle etwas
nervös wegen dem Hurrikan, aber wenn überhaupt, dann erwischt es Nicaragua
bloss im Norden mit viel Regen. Danach ging es zu einer Organisation, die sich um
vernachlässigte Kinder kümmert. Will mit Beschäftigungstherapie verhindern,
dass die Kinder auf der Strasse landen.
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Am Dienstag dann in die amerikanische Botschaft, Interview mit einer Regierungsangestellten,
die Nicaragua den Kauf von genetisch manipulierten Agrarprodukten schmackhaft machen
will.
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Spannend war es eigentlich gestern. Wollte mit einem Journalisten in ein Dorf, um
eine Reportage über die Unterstützung von Bauersfrauen durch die FAO zu
machen. Zuerst sind wir stecken geblieben mit dem Wagen.
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Die Strasse wurde immer wieder unterbrochen durch tiefe Schlammlöcher. Eins
hat uns dann gefressen und selbst schieben half nix. Nach einer halben Stunde kam
ein öffentlicher Bus vorbei und alle mehr oder weniger kräftigen Männer
sind ausgestiegen und haben uns gerettet. |
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Als wir es schliesslich bis zum Dorf geschafft hatten, war da niemand der besagten
Veranstaltung. Man hatte vergessen, uns Bescheid zu geben, dass der Termin abgesagt
wurde von dem Mitarbeiter der FAO. Alle ausser mir haben sich geärgert. Ich
fand, es war ein Abenteuer. Schliesslich haben wir daraus doch eine Geschichte gemacht,
nämlich, dass ein wesentliches Problem der Bauersfrauen darin besteht, dass
sie ihre Ware wegen der desolaten Strassenzustände nicht auf den Markt bekommen.
Dazu gab’s dann das Foto, wie wir im Schlamm steckengeblieben sind.

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Heute dann eine Pressekonferenz in der Zentralbank. Steigende Inflation und Auslandsschulden
waren das Thema. Habe versucht den Redakteur zu überzeugen, ein anderes Bild
als den Kopf des Bankpräsidenten zu nehmen, eins, dass die Probleme veranschaulicht...
er wollte nicht.
Was wir mir sehr gut gefällt hier, ist die sofortige Integration in das Team.
Was das Equipment betrifft, ist die PRENSA sicherlich kein Entwicklungsland mehr.
Es gibt für alle digitales Equipment. Objektive in jeder Brennweite und ausreichend
Macs zum anschliessenden Bildbearbeiten. Umso ärgerlicher finde ich den miserablen
Druck der Zeitung. Der macht die ganze Aufnahmequalität wieder zunichte...
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Mein Fazit der ersten Woche ist: Anhand Thematik der verschiedenen Aufträge
ist eigentliche schon erkennbar, mit welchen Problemen ein "Entwicklungsland"
wie Nicaragua zu kämpfen hat.
Morgen werde ich ein Projekt der COSUDE zusammen mit Adrain Maitre (DEZA) besuchen.
Es geht um Prävention bei Naturkatastrophen. Das Dorf, wo das Projekt umgesetzt
wird, liegt 260km nördlich von Managua und ich hoffe, dass diesmal die Strasse
passierbar ist und "Wilma" bleibt, wo sie gerade ist.
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...Und falls mal nicht soviel los ist, steppt der liebenswerte Oberclown der Fotoredaktion
einen Marimbatanz.
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Auf der Finca Santa Rita
Als Fotoreporter arbeitet man bei der Prensa jede Woche in einem anderen Ressort.
Nach der ersten Woche im Ressort Wirtschaft habe ich in der zweiten Woche einen
spannenden Auftrag aus dem Ressort „Departamentos” (Berichte aus den
einzelnen Regionen des Landes) bekommen.
Ich sollte für zwei Tage in die Berge im Norden des Landes, eine Reportage
über eine Finca fotografieren, auf deren Grundstück ein Naturreservat
errichtet wird. Tourismus soll die abgelegene Gegend beleben und der einheimischen
Bevölkerung Einnahmequellen bieten.
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Nach etwa sechs Stunden Fahrt waren wir in Rosario, ein Paar-Hundert-Seelen-Dorf
kurz vor der hondurenischen Grenze…
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Don Juan Moreno ist Eigentümer der Finca, zu deren Grundstück ein Teil
bergregenwald gehört. Er möchte den Tourismus in der Region beleben und
seine Finca für Gäste öffnen
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Ohne adäquates Verkehrsmittel kommt man allerdings nicht in die Berge. Selbst
unser Toyota hätte es fast nicht geschafft
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Der meiste Kaffe in Nicaragua wächst im Schatten, z.B. unter Bananenbäumen.
Kaffeeernte ist im Dezember, wenn die Bohnen sich an den Büschen rot gefärbt
haben. Wir sind dafür also etwas zu früh
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Kakao ist hier ein Erfrischungsgetränk und wird mit Wasser zubereitet. Auf
der Finca werden die Bohnen zum Trocknen ausgebreitet
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Kinder helfen bei Feld- und Hausarbeit . Auf einer Finca ist das so normal, wie
auf einem Bergbauernhof in den Bündner Alpen. Ein Junge löst Maiskörner
vom Kolben
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Schwestern
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Die beste Art sich in der Bergregion fortzubewegen ist immer noch per Pferd, genauso
wie Schuhe putzen meist Kinderarbeit ist
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Im Fluss des Dorfes wird alles gewaschen: Kinder, Kochgeschirr und, wie hier, Kaffee
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Dorfstrasse von Rosario
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Krimi, Kirche und Kultur
Die letzten beiden Wochen verbrachte ich – mit einigen kulturellen Ausnahmen
- in den Ressorts „Verbrechen” und „Politik”:
Ein kürzlich von den Polizei geschnapptes Mitglied der „Mara” (eine
Verbrecherbande, die sich in Zentralamerika immer mehr ausbreitet) wird den Medien
vorgeführt.
Es ist üblich in Nicaragua, dass Gefangene und Angeklagte fotografiert, gefilmt
und vom Radio verhört werden und ihr Bild anschliessend veröffentlicht
wird.
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Ein Fernsehteam versucht in ein Hospital zu kommen, um einen gerade eingelieferten
Mann, der angeschossen wurde, in der Notaufnahme zu filmen.
Ein Mitarbeiter des Krankenhauses versucht dies zu verhindern, indem er die Tür
zuhält.
Später kommt ein Pressesprecher des Krankenhauses, nimmt die Kamera des Fernesehteams
und filmt für ihn in der Notaufnahme.
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Tanzgruppe bei der Einweihung einer neuen Polizeiwache im Stadtteil Milagro de Dios
(Wunder Gottes), einem der ärmsten Managuas. |
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Nicaraguas Präsident Enrique Bolaños (links) erhält von der niederländischen
Botschaft Mittel zur Bekämpfung von Kindesmissbrauch.
Dazu gehören u.a. einige Autos, um mobilen Hilfsdienst leisten zu können.
Ein Pater segnet die Autos vor der ersten Amtsfahrt.
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Im Theaterstück streitet sich der Hauptdarsteller mit Gott über Rassismus
und Armut. |
«EL NICA» ist ein bekanntes Theaterstück, das die Differenzen zwischen
Nicaragua (dem ärmsten Land Zentralamerikas) und dem Nachbarland Costa Rica
(dem reichsten Land Zentralamerikas) thematisiert: Nicas wandern in Massen nach
Costa Rica, um Arbeit zu finden. Dort leben sie oft unter schlechten Bedingungen
und werden von der einheimischen Bevölkerung diskriminiert.
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In der Zona Franca
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Meine letzte Reportage bei der PRENSA führt mich in eine Zona Franca. Für
den nordamerikanischen Markt wird hier Kleidung hergestellt. Der Betrieb, den ich
besuche, hat einige Besonderheiten: Die Stoffe sind aus organisch gewachsener Baumwolle
und werden aus verschiedenen Ländern importiert. |
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Die kleine Fabrikhalle (Bild links) liegt ausserhalb von Managua in dem Vorort “Nueva
Vida”, wo Armut und Arbeitslosigkeit sehr präsent sind. Eine spanische
Hilfsorganisation hat einigen Frauen im Jahr 1999 einen günstigen Kredit gewährt,
mit dem sie das Grundstück kauften und die Halle bauten. |
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Fast alle Arbeiterinnen sind Teilhaberinnen der Näherei.
Die Mehrheit der Angestellten sind Frauen.
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Die Arbeitsbedingungen in den Freihandelszonen in Nicaragua haben einen schlechten
Ruf: Unterbezahlung, unbezahlte Überstunden und extremer Leistungsdruck sind
Merkmale.
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In der Zona Franca in Nueva Vida ist es eben anders. Die Bedingungen, die hier gelten,
legen die Arbeiterinnen selbst fest.
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Ein wesentliches Kennzeichen der Betriebe in den Freihandelzonen ist die Produktion
für den Export sowie die Lieferung aller dazu benötigten Rohstoffe
aus dem Ausland. Dafür erhält der Betrieb wesentliche Steuervergünstigungen.
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Bisher hat die Regierung diese Vorteile nur an ausländische Grossinvestoren
vergeben, die Fabriken für mehrere Tausend Arbeiter errichten. |

In der Zona Franca in Nueva Vida sind 55 Menschen beschäftigt, und das erste
Mal wurden die Steuervergünstigung einem kleinen, von Einheimischen geleiteten
Betrieb gewährt. Für die Arbeiterinnen bedeutet das bessere Wettbewerbsbedingungen
auf dem Exportmarkt für Kleidung. Ab dem nächsten Jahr will die Regierung
diese Vergünstigungen weiteren Klein- und Mittelbetrieben gewähren.
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Die Arbeiterinnen (und die wenigen Arbeiter) der Zona franca hoffen dadurch ihren
Betrieb erweitern zu können, eine zweite Halle zu bauen, damit mehr Arbeitsplätze
zu schaffen. Die Frauen und Männer sind sehr stolz auf ihr Projekt, die erste
Zona Franca zu sein, die den Arbeitern selbst gehört. |
ENDE
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Text und Bilder: Dörthe Hagengut |
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