Was ist Datenjournalismus, wo steht er in der Schweiz? Was gibt es zu tun? Solche Fragen wurden am 21. Juni 2012 in Zürich an einem Expertenmeeting gestellt, das die Wirtschaftsinformationsfirma OFWI, der Finanznachrichtenagentur AWP und der Journalistenschule MAZ gemeinsam organisierten. Sie stiess auf reges Interesse unter Medienschaffenden, war sie doch die erste dieser Art in der Schweiz. Gemeinsam wollen die Veranstalter diese zukunftsträchtige Thematik in der Schweiz fördern und eine Plattform für Spezialisten und Interessierte schaffen.
Datenjournalismus fördern
«Datenvisualisierungen machen unsere Welt verständlicher, transparenter und effizienter», unterstrich Gastreferent Andreas Amsler die Bedeutung von Open Data und Datenjournalismus. Amsler, ein Open-Data-Förderer und -Anwender der ersten Stunde, sieht in der Schweizer Medienlandschaft für den Datenjournalismus noch einiges an Aufholpotenzial. Das Gründungsmitglied des Vereins Opendata.ch forderte daher die Schweizer Medienunternehmen dazu auf, Datenjournalismus in den Redaktionen auf- und auszubauen.
Ganz allgemein plädierte er dafür, den freien Zugang zu Government Data zu fördern, sei das auf Bundes-, Kantons- oder Gemeindeebene. Im Ländervergleich befände sich die Schweiz punkto freiem Datenzugang nicht im Spitzen-, sondern eher im Mittelfeld.
Michael Hermann, Inhaber und Leiter der Forschungsstelle sotomo, hob hervor, Datenjournalismus sei ein mächtiges Tool. Der Senior Lecturer am Geographischen Institut der Universität Zürich, der das politische Spinnenprofil entwickelt hat, das in den Schweizer Medien zum Standard für die Charaktersierung von PolitikerInnen und Parteien geworden ist, ermahnte die Medienschaffenden indes zu Verantwortung und Sorgfalt im Umgang mit Daten und deren Visualisierung. Die visuelle Aufbereitung umfangreicher Datensätze vermittelt zwar oft rascher Zusammenhänge und Dimensionen als ein Text. Liegt den Visualisierungen aber eine falsche Methodik zu Grunde, können schnell missführende Rückschlüsse oder falsche Analysen gezogen werden.
Datenjournalismus ist der Schweiz noch wenig verbreitet
Abschlussredner Joseph Dreier, der unter anderem auch am MAZ Kurse leitet, führt diesen Umstand darauf zurück, dass Datenjournalismus für etliche Medienunternehmen offenbar zu aufwendig, zu zeitintensiv und zu teuer sei. Dreier, gerüstet mit jahrelanger Erfahrung in Zeitungsredaktionen und Nachrichtenagenturen, lehrt unter anderem als Dozent für Infografik und Datenjournalismus. Er kritisierte, dass die Schweizer Medienhäuser beim Datenjournalismus bisher noch keine überzeugende Strategie hätten.
Wie die Vorredner konstatierte Dreier, transparenter und intelligenter Datenjournalismus ist wichtig. Gerade die Medien seien dazu aufgefordert, den Datenjournalismus zu fördern. Denn Medienhäuser könnten mit verantwortungsvollem Datenjournalismus verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Zudem «hängen viele demokratische Entscheidungen von Daten ab», schloss Dreier.
Am MAZ wird die Thematik aufmerksam verfolgt.
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