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Bericht zum 2. Schweizer Forum für Lokaljournalismus

Mehr Austausch, mehr Dialog mit dem Leser - das war ein Fazit der MAZ-Veranstaltung zum Thema «Online-Plattformen - ist hyperlocal hypermodern?» Direkt zum Video.

Was braucht es, damit hyperlokale Onlineprojekte in der Schweiz erfolgreich sind?
Weg vom Sende- hin zum Dialogmedium. Das war die Antwort von Mercedes Bunz am 2. Forum für Lokaljournalismus vom 26.4.2012 in Bern. Die ehemalige Leiterin der Online-Redaktion des Tagesspiegels bot den anwesenden Medienschaffenden einen internationalen Rundblick über aktuelle Projekte.
Journalisten müssten  laut Bunz vermehrt lernen, dass sie im Internet nicht mehr das Ende einer Geschichte sind, sondern der Anfangspunkt eines Dialogs mit dem Leser. Für Lokaljournalismus sei der Dialog die grosse Chance: Die Leser wollen sich im Blatt wiederfinden. Redaktionen sollen deshalb aktiv auf sie zu gehen und sich öffnen.
Bunz wies auf hyperlokale Projekte der New York Times und des Guardian hin, die zuerst hoffnungsvoll starteten, am Ende aber scheiterten. Die grossen Newsplattformen schafften es nicht, lokale Communities auf die richtige Weise anzusprechen. Das grösste Problem war jedoch der Anzeigenmarkt: Die Plattformen versäumten es, sich mit lokalen Anzeigenkunden zusammenzusetzen und auch deren Wünsche zu berücksichtigen.

Halbjahres-Bilanz der Tageswoche
Dani Winter, Onlinekonzepter bei der Tageswoche, bilanzierte vorsichtig die ersten sechs Monate. Eigentlich sei es dafür zu früh, denn die Probeabos würden erst auslaufen. „Bisher spüren wir aber keinen Einbruch der Abonnementszahlen.“ Die verkaufte Auflage der Printausgabe liegt momentan über den ursprünglichen Erwartungen bei 14.000 Exemplaren. Das Ziel seien 20.000.
Die Tageswoche versteht sich als Dialogmedium mit der Community von derzeit über 5.000 Mitgliedern als Herzstück. Trotz der hohen Mitgliederzahl leistet die Community momentan noch zu wenige Beiträge: Die Redaktion bekomme rund 60 Kommentare pro Tag, die Hälfte davon über soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook. „Dafür sind sie relativ hochstehend“, sagte Winter. Die Webseite der Tageswoche verzeichnet zurzeit 350.000 Besucher pro Monat (bei 150.000 Unique Visitors) mit rund einer Million Seitenaufrufe (März 2012). Das liege über den ursprünglichen, aber unter den heutigen Erwartungen, schrieb Winter später auf Twitter.

Neue Berner Stimme «Journal B»
Manuel Gnos, Projektleiter des Vereins Berner Onlinemedien, gab am Freitag offiziell den Namen des neuen Onlineprojekts für Bern bekannt: Journal B heisst die Plattform, die sich auf Stadt-Berner Themen der Kultur, Politik und Alltag konzentriert. Auch der Name des Chefredaktors wurde erstmals bekannt: Es ist Beat Kohler, bis vor kurzen Co-Chefredaktor der JungfrauZeitung.
Manuel Gnos betonte, dass sich Journal B nicht als Konkurrenz zum „Bund“, sondern als dessen Ergänzung verstehe: Durch die Sparmassnahmen der letzten Jahre seien einige Lücken freigeworden, die Journal B mit seiner hintergründigen, einordnenden Berichterstattung wieder decken wolle. Durch eine offene Redaktion sollen sich die Leser als Teil einer gemeinsamen Öffentlichkeit verstehen. Finanziert wird das Projekt zu 65% durch Mitgliederbeträge, die restlichen Gelder stammen aus Sponsoring (20%) und Inseraten (15%). Die Startfinanzierung ist gesichert, Journal B beginnt voraussichtlich im September.

Lehren aus dem Scheitern der ONZ
Zum Schluss referierte Verleger Urs Gossweiler über das Scheitern der Obwalden und Nidwalden Zeitung (ONZ). Gossweiler betonte, dass die ONZ sowohl im Lesermarkt als auch bei den Kosten „auf Kurs“ war. „Wo wir jedoch total versagt haben: Wir waren immer einen Drittel im Rückstand beim Budget für die Werbeträger.“ In seinen Augen lag das vor allem an der harten Konkurrenz. Taktisch unklug sei zudem gewesen, mitten in der Aufbauphase der ONZ die Pläne für weitere Projekte in Zürich bekannt zu geben. Jetzt gelte es, die Jungfrauregion zu verteidigen: „Wir wollen nun im Kleinen erfolgreich sein“, sagte Gossweiler.
Nur, warum klappte in Ob- und Nidwalden nicht, was in der Jungfrauregion mit einer ähnlichen Konkurrenzsituation seit über zehn Jahren erfolgreich funktioniert? Urs Gossweiler fand darauf keine befriedigende Antwort: „Wüssten wir das genau, dann hätten wir jetzt sicher nicht nur die Verteidigung der JungfrauZeitung im Sinn.“

Bericht: Adrian Meyer, Masterstudent MAZ

VIDEO:

Video: Voltafilm, Simon Weber

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