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Für ihre Arbeit «Josef Schenker - Ein Leben in der Landwirtschaft»
ist Carmela Odoni im Mai 2006 mit dem neuen Fotopreis der SonntagsZeitung ausgezeichnet
worden. Die Absolventin des Studiengangs Pressefotografie am MAZ zeigt mit ihren
Bildern einen «Knecht in Pension».
«Josef Schenker ist 84 Jahre alt und lebt seit ungefähr zwanzig Jahren
im Altersasyl in Rothenburg. Diese Institution beherbergt pensionierte Knechte.
Sie bietet ihnen die Möglichkeit, trotz Ruhestand weiterhin alltägliche
Arbeiten auf einem landwirtschaftlichen Gut zu verrichten.
Im Rahmen der Ausbildung Pressefotografie am MAZ wurde uns die Aufgabe gestellt,
eine Arbeit zum Thema ‹Show me your secret› zu realisieren.
Meine Porträtserie
zeigt Josef Schenker mit seinem von der Arbeit gezeichneten Körper. Ich legte
speziellen Wert auf die Nähe zur Person und die Einfachheit der Bildsprache,
nutzte das natürliche Umgebungslicht und reduzierte das Bild auf das Wesentliche.
Der Ausdruck der Augen, der furchige Nacken und seine gebrauchten Hände sollten
die Geschichte seines arbeitsreichen Lebens erzählen. Einzig das christliche
Kreuz, welches eine Wand in seinem Zimmer ziert, habe ich in das Porträt miteinbezogen,
als Zeichen des Glaubens, der ein wichtiger Bestandteil seines Lebens ist.»
(www.vfgonline.ch)
Bericht der SonntagsZeitung vom 14.5.2006 von Walter Keller*:
«Ein Knecht in Pension»
Unspektakuläre Annäherung an einen Betagten: Die Bilder von Carmela Odoni
sind mit dem Fotopreis der SonntagsZeitung ausgezeichnet worden.
Ende Nachmittag sind wir uns einig. Seit dem Morgen haben wir geschaut, geprüft,
abgewogen, diskutiert. Dann ein eher unerwartetes Resultat. Wir bestimmen die Bilder
eines alten Mannes zur Siegerarbeit des Preises der SonntagsZeitung für News-
und Reportagefotografie. Eine unspektakuläre, einfache, tief menschliche, fast
demütig-zärtliche Annäherung an einen Betagten. Intim und respektvoll
fotografiert. Ehrliche Bilder - was eher selten ist heutzutage. Später erst
erfahre ich, dass die eindringlichen Bilder einen gewissen Josef Schenker im Altersheim
für pensionierte Knechte Hermolingen in Rothenburg LU darstellen. Der jungen
Carmela Odoni, Fotografin beim «St. Galler Tagblatt», ist eine dichte
Kleinserie gelungen, wie das weder Wortjournalisten noch TV-Leute hinkriegen würden.
Ein solch warmherziges Kleinod in wenigen Bildern schafft man nur mit der Fotokamera.
Angefangen hatte der Tag um 10 Uhr. Die Jury - Nicole Aeby (Studienleiterin an der
Journalistenschule MAZ in Luzern), Maurice Weiss (Fotograf aus Deutschland) und
ich (Verleger Scalo) - soll Hunderte von Arbeiten beurteilen, die ohne Namen der
Fotografinnen und Fotografen ausgebreitet auf dem Boden liegen. Die Halle ist leicht
unterkühlt, was auch für die «Temperatur» vieler Bilder gilt.
Das Niveau der über 400 Einsendungen bewegt sich im mittleren Bereich, kaum
je unjurierbar schlecht, nur selten aussergewöhnlich. «Mittel»
- was damit gemeint ist? Viele veröffentlichte Arbeiten aus den Bereichen Werbung,
redaktionelle Fotografie, freie Arbeiten sowie Eingaben von Projektideen liegen
in einem technisch wie thematisch ordentlichen, aber vorhersehbaren Bereich. Sauberes
Schweizer Bildhandwerk. Nach zwei Stunden: Ich hoffe noch immer, irgendwo ein paar
lausige Fotokopien zu entdecken, mit meisterhaften Bildern, die mich sprachlos lassen.
Langsam entsteht ein Überblick. Vieles fällt sofort weg, für mich
vor allem Fotos, die ich schon tausendmal gesehen habe, oder Bilder, in denen sich
keine Leidenschaft erkennen lässt - weder fürs Bildermachen an sich noch
für das bildlich Dargestellte.
Im kalten Raum dampft der Kopf, beginnen sich Bilder der einen Fotografin mit der
Serie eines anderen Bildjournalisten zu vermischen. Einfachheit und das spezifisch
«Fotografische» sind gesucht, keine Bildtricks oder Special Effects
(verfälschte Farben, hilflos schräger Winkel); da funktioniert das Internet
besser, ist lustiger, wenn auch öfters dümmer. Fazit: Wir entscheiden
uns für die Bilder des alten Mannes.
*Jury-Mitglied Walter Keller ist Gründer des Scalo-Verlages
«Zeig mir dein Geheimnis»
Carmela Odoni, 25, ist die Gewinnerin des erstmals verliehenen Fotopreises der SonntagsZeitung.
Die prämierten Bilder des pensionierten Knechts Josef Schenker machte Odoni
im Rahmen ihrer Ausbildung an der Journalistenschule MAZ. Dass sie Schenker fotografiert
habe, sei «Zufall», sagt sie; «Show me your secret» («zeig
mir dein Geheimnis») habe das Thema gelautet, das sie habe fotografieren müssen.
Sie suchte das Altersheim für pensionierte Knechte in Rothenburg LU auf, dem
Dorf, in dem sie aufgewachsen war, und traf den Mann, «dessen Körper
zeigt, dass er sein ganzes Leben gearbeitet hat».
Auf ihrer Website www.carmelaodoni.ch präsentiert die Fotografin ihr Projekt
«Harshani: 24 Jahre nach der eigenen Adoption. Begegnungen und Stimmungen
auf der Suche nach der leiblichen Mutter». Odoni wurde in Sri Lanka geboren
und als Baby in der Schweiz adoptiert. Sie arbeitet teilzeitlich für das «St.
Galler Tagblatt», das die Schenker-Bilder veröffentlichte.
Der Fotopreis der SonntagsZeitung gilt der News- und Reportagefotografie. Er ist
mit 5000 Franken dotiert. Zusammen mit dem «Magazin»-Fotopreis und dem
EWZ-Publikumspreis wurde er am Freitag in Zürich verliehen; die prämierten
und 15 weitere ausgewählte fotografische Arbeiten sind bis zum 5. Juni im EWZ-Unterwerk
Selnau, Zürich, ausgestellt (geöffnet täglich von 12 bis 20 Uhr).
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