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Hanna Jaray, Absolventin des Studiengangs Pressefotografie am MAZ, ist mit dem «vfg
Nachwuchsförderpreis 2005» ausgezeichnet worden - für ihre Arbeit «Lisa Truffer»,
eine kleine Hommage an die Familie Truffer und zugleich an die «dazugehörige Schweizer
Geschichte».
«Grächen ist ein kleines Bergdorf. Es liegt auf 1600 Meter im Oberwallis. Erst seit
50 Jahren gibt es eine befahrbare Strasse vom Tal zum Dorf hinauf. Im typischen
Walliser Baustil stehen die alten Häuser leicht erhöht auf schweren Steinplatten
damit die Mäuse nicht an die Vorräte herankommen.
Das Haus der Familie Truffer wurde 1445 gebaut und ist damit das älteste Haus im
Wallis. Die Innschrift an der Decke kann nicht einmal der Pfarrer entziffern. Lisa
kam mit der Heirat mit Alfred Truffer nach Grächen. Alfred Truffer selber war zusammen
mit elf Geschwistern in diesem Haus aufgewachsen.
Das Haus besteht aus einem einzigen Zimmer, das gleichzeitig als Wohnzimmer und
Schlafzimmer dient, und einer Küche. Auf dem Dachstock war wahrscheinlich schon
seit Jahren niemand mehr. Fliessendes Wasser im Haus ist ein Luxus, den sich Lisa
erst seit sieben Jahren gönnt. Die Toilette ist noch immer ein «Plumpsklo».
Lisa lebt ein bescheidenes Leben. Um sieben Uhr steht sie auf und als erstes wird
der Ofen eingeheizt, damit es warm wird im Haus. Unter Ihrem Kopfkissen liegt eine
Taschenlampe, denn die einzige Glühbirne im Wohnzimmer gibt nur wenig Licht her.
Wie ein Ritual befestigt sie ihre vielen Haarspangen, während sie aus dem Fenster
auf die Alpenspitzen schaut und versucht, sich ein Bild über das Wetter des neuen
Tages zu machen. Bevor sie das Haus verlässt, segnet sie sich mit Weihwasser. Am
Abend im Bett, vor dem Einschlafen, zugedeckt mit mehreren Decken, spricht sie leise
für sich ein Gebet.
Lisa erzählte mir allerlei Geschichten wie es war als «Fremde» nach Grächen zu kommen.
«Er war gut zu mir», sagt sie wiederholt über Alfred. Man hat den Eindruck sie lebe
noch ganz eng mit ihrem geliebten Mann zusammen. Als er starb, blieb er vorerst
drei Tage zuhause, damit seine Seele durch das Seelenfenster entschwinden konnte
und Freunde und Verwandte durften von ihm Abschied nehmen. Drei Nächte schlief sie
neben ihm; «Ich hatte keine Angst vor seinem Geist.» Lisa denkt und lebt in der
Vergangenheit.
Zwischen November 2004 und Februar 2005 habe ich Lisa mehrmals besucht und jeweils
mehrere Tage bei ihr gewohnt. Zurzeit ist Lisa in einem Krankenhaus in Visp und
es scheint, dass es ihr nicht mehr möglich sein wird in ihr Haus zurück zu kehren.
Somit wird wahrscheinlich die Geschichte dieses Hauses, welches im Jahre 1445 gebaut
worden war im Jahr 2006 zu Ende gehen, denn es gibt keine Familie mehr, die dieses
Haus übernehmen kann.
Meine Arbeit, die ursprünglich aus ca. 20 Bildern bestand, soll eine kleine Hommage
sein an die Familie Truffer aber auch an die dazugehörige Schweizer Geschichte.»
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